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Sport und Meditation

Diplomarbeit im Rahmen der WIFI Ausbildung zum diplomierten Fitnesstrainer

SPORT UND MEDITATION

Diplomarbeit im Rahmen der WIFI Ausbildung zum diplomierten Fitnesstrainer

Oktober 2005 / März 2006

INHALTSVERZEICHNIS

I Vorwort 3

II Einleitung 4

III Hauptteil 5

IV Zusammenfassung 11

V Schlusswort 11

VI Literaturverzeichnis 12

I Vorwort

Unser gesellschaftliches Zusammenleben fordert von uns gegenseitige Hilfeleistung. Der Drang des Menschen nach fortwährender Verbesserung seiner Lebensumstände hat zur Dynamik des „Schneller-Höher-Weiter – Werdens“ geführt. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Sowohl im Beruf als auch im Sport hat der Wunsch des „Besser-werdens“ einen sicheren Platz gefunden. Mehr Leistung in kürzerer Zeit ist unser Motto geworden. Nun hat dieser Prozess leider auch eine Kehrseite: das subjektive Gefühl, unter Leistungsdruck zu stehen, wird als „Stress“ bezeichnet. Wir empfinden unsere Lebensbedingungen im Bereich der Arbeit, aber auch im Privatleben in zunehmendem Maße als Belastung. Im Sport bedeutet das, dass mit immer höheren körperlichen Anforderungen auch die Psyche des Sportlers mehr und mehr unter Druck gerät. Der Sportler wird daher genötigt sein, zum Ausgleich der Belastung im Training und im Wettkampf nach gezielten Methoden der Entspannung zu suchen. Die Meditation ist eine Form der aktiven Entspannung, welche gleichermaßen die emotionale als auch die mentale Seite des Menschen harmonisieren kann. In der vorliegenden Arbeit soll die Verbindung von Sport und Meditation anhand von ausgewählten Übungen dargestellt werden.

Andreas Tscherne

II Einleitung

Unser Leben gestaltet sich als ständiger Wechsel von Anspannung und Entspannung. Arbeit und Freizeit, Wachzustand und Schlafphase, Bewegung und Ruhe bilden eine Einheit. Eine harmonische Lebensführung hängt unter anderem auch damit zusammen, ob wir diese beiden Pole zu einem Ausgleich bringen können. Wie im Alltag, so findet sich auch in der sportlichen Aktivität dieses Wechselspiel von Training (bzw. Wettkampf) und Regeneration. In den letzten Jahrzehnten haben sogenannte Entspannungstechniken vermehrt Eingang in den Leistungssport gefunden. Zweck dieser Techniken ist es, die Regenerationsphase des Sportlers sinnvoller zu gestalten, was sich wiederum leistungssteigernd auf die Phase des Wettkampfs auswirken soll. Aus den Prinzipien der Trainingslehre ist bekannt, dass es in der Regenerationsphase nach einer vorübergehenden Abnahme der sportlichen Leistungsfähigkeit zu einem Wiederanstieg über das anfängliche Niveau hinaus kommt (Prinzip der Superkompensation). Das bedeutet, dass sich der Körper in dem Zeitraum der Erholung „Reserven“ anlegt, was eine Leistungssteigerung zur Folge hat. Es ist nun die Aufgabe der Sportwissenschaft, geeignete Methoden der Regeneration auszutesten, um die Erholungsphase des Sportlers optimal zu nützen. Da wir Menschen uns als „Körper-Psyche- Einheit“ verstehen, können Entspannungstechniken an zwei Ebenen ansetzen:

1) Körperliche Entspannungsmethoden a) muskulär b) vegetativ

2) Geistige Entspannungsmethoden a) emotional b) kognitiv

Je nach der Wirkung auf unseren „Körper-Psyche-Organismus“ werden muskuläre, kognitive, emotionale und kognitive Techniken der Entspannung unterschieden. Allen diesen Methoden ist gemeinsam, dass es sich um aktive, systematische Entspannungsmethoden handelt. Es wird daher vom Ausübenden eine eigene Anstrengung und oftmals auch systematisches Vorgehen verlangt. Im Gegensatz dazu wäre bei sogenannten passiven Entspannungsmethoden, wie z.B. Spazierengehen oder Musik hören, keine besondere Willensanstrengung vonnöten.

Beispiele für Entspannungsmethoden

  1. Muskuläre Ebene: Progressive Muskelentspannung
  2. Vegetative Ebene: Autogenes Training, Atemübungen
  3. Emotionale Ebene: Phantasiereisen
  4. Kognitive Ebene: Konzentrationsübungen, Meditation

III Hauptteil

Meditation

Bei der Meditation handelt es sich um eine Technik, welche in den spirituellen Traditionen des Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und Taoismus beheimatet ist. In unserem westlichen Kulturkreis sind wir eher mit dem Gebet vertraut, von ihrem Ursprung her sind aber sowohl die Meditation als auch das Gebet spirituelle Techniken. Es soll aber auch erwähnt werden, dass Meditation um ein vielfaches schwieriger zu beherrschen ist als das Gebet. Wie funktioniert nun die Meditation? Die Haupteigenschaft der Meditation liegt im „Still-machen“ des Verstandes. Wahre Meditation kann also erst dann stattfinden, wenn es keine Gedanken mehr gibt. Darin liegt die Kunst und auch das Geheimnis der Meditation. Man stelle sich einen klaren Gebirgssee vor über den der Wind bläst. An seiner Oberfläche kräuseln sich kleine Wellen. Ein Blick auf den Grund des Sees ist nicht möglich. Jetzt denken wir uns den Wind weg und die Oberfläche wird glatt. Naturgemäß ist nun der Blick auf den Grund frei und wir entdecken einen Schatz. Ebenso versuchen wir beim Meditieren die ruhelose Tätigkeit des Verstandes zu besänftigen um so unsere inneren positiven Qualitäten zum Vorschein zu bringen.

Konzentration

Wie gelangt man in einen Zustand der „inneren Leere“? Dies ist nur durch ständiges, diszipliniertes Üben schrittweise zu erreichen. Als Vorübung und Mittel dafür dienen Konzentrationsübungen. Die Konzentration führt zur Meditation. Konzentration bedeutet, die gesamte Aufmerksamkeit auf ein einziges Objekt zu lenken und darin zu verharren. In diesem Zustand darf der Ausübende keinen einzigen Gedanken zulassen. Konzentration ist der Ausdruck einer tief in uns steckenden Willenskraft und mit ihrer Hilfe können wir unser Ziel erreichen. Allein durch eine verbesserte Konzentration wird jeder Sportausübende in seiner Disziplin bessere Leistungen erzielen können. Wenn es gelingt, durch Konzentration den Kopf frei von Gedanken zu halten, kann sich das Bewusstsein in die Weite der Meditation ausdehnen. Konzentration führt zu erhöhter Wachsamkeit. Meditation führt zu innerer Weite. Als letztes Ziel zeigt uns Meditation unsere wahre innere Existenz, welche überfüllt ist von innerem Frieden, Freude, und einem Gefühl der Verbundenheit mit der gesamten Schöpfung.

Für den Fitnessbereich des durchschnittlichen Hobbysportlers reicht es aus zu wissen, dass man mithilfe von Konzentration und Meditation allmählich lernt, seine Gedanken zu kontrollieren, was die Fähigkeit verleiht, Erfolg – egal auf welchem Gebiet – zu haben.

Praxis der Meditation

Folgende Regeln sind für die Meditation hilfreich:

  1. Ruhiger Ort an dem man ungestört ist
  2. Zwei Stunden vorher keine schwere Mahlzeit
  3. Frisch geduscht in angenehmer Kleidung
  4. Aufrechte Wirbelsäule
  5. So langsam und ruhig wie möglich atmen
  6. Augen halb geöffnet
  7. Tägliches Üben zur selben Zeit

Zur Sitzhaltung ist zu sagen, dass die Beherrschung des Lotussitzes keineswegs notwendig ist. Wichtig ist nur, dass man sowohl aufrecht als auch entspannt sitzt. Das kann auch auf einem Sessel sein. Es gibt verschiedene Handhaltungen, keine ist der anderen überlegen, es ist eine Frage der persönlichen Vorliebe. Es ist gut, sich vor der eigentlichen Meditation einzustimmen um ruhig zu werden. Man kann das mit Hatha-Yoga – Übungen, angenehmer Musik, mit dem Lesen meditativer Texte oder mit dem Singen von Mantras erreichen. Am Anfang der Meditationssitzung beginnt man mit einer Konzentrationsübung. (siehe unten) Während der Meditation soll ein innerer Zustand erreicht werden, der gleichermaßen von Wachsamkeit als auch von Ruhe gekennzeichnet ist. Daher sollen auch die Augen nicht ganz geschlossen sein, um Tagträumen und Einschlafen zu verhindern.

Konzentrationsübungen

1) Schwarzer Punkt Man male ungefähr auf Augenhöhe einen schwarzen Punkt auf die Wand. Dann stellt man sich in einer Entfernung von ungefähr einem Meter vor die Wand und konzentriert sich auf den Punkt. Nach ein paar Minuten versucht man zu spüren, dass beim Einatmen der Atem von diesem Punkt kommt, und dass dieser Punkt ebenfalls einatmet indem er den Atem vom Praktizierenden erhält.

2) Kerzenflamme Man konzentriert sich auf die Spitze einer Kerzenflamme. Nach ein paar Minuten schließt man die Augen und versucht sich die Flamme entweder in der Mitte der Stirn („drittes Auge“) oder in der Mitte der Brust („spirituelles Herz“) vorzustellen.

3) 1-4-2 – Atmung Dies ist eine Übung aus dem traditionellen indischen System der Atemkontrolle. (Pranayama) Man wiederholt beim Einatmen innerlich ein Mantra (heiliges Wort z.B. „OM“) einmal. Dann hält man den Atem an und wiederholt das Mantra viermal. Beim Ausatmen wiederholt man es zweimal. Anstatt des Mantras können auch andere heilige Namen, z.B. „Gott“, „Christus“, „Buddha“ oder andere positive Wörter wie z.B. „Liebe“, „Friede“, „Harmonie“ gewählt werden. Als Anfänger beginnt man mit dem Rhythmus Eins-vier-zwei. Wenn man in der Atmung geübter wird, kann man mit einem Rhythmus von Vier- sechzehn-acht üben. Das darf aber nur Schritt für Schritt geschehen.

4) Konzentration auf das Ziel Dies ist eine Übung für Läufer während eines Wettkampfs. Ein Läufer soll während des Rennens nicht zu seinen Konkurrenten schauen und nicht einmal an diese denken. Er soll ausnahmslos nur an das Ziel denken. Andernfalls wird seine Zielstrebigkeit geteilt und ein Teil seines Willens tritt in seine Gegner ein.

Visualisationsübungen für den Sprint

  1. Ein Sprinter kann versuchen sich vorzustellen, dass er 10m weniger als seine Gegner laufen muss. Man muss versuchen, dies intensiv zu fühlen, dann wird man überzeugt sein, dass man siegen wird. Außerdem wird man eine Art Freude spüren, weil man fühlt, dass die eigene Aufgabe leichter ist als die der Gegner.
  2. Ein Sprinter kann versuchen sich vorzustellen, dass er gejagt wird. Er läuft um sein Leben. Man kann sich z.B.vorstellen, dass ein wilder Tiger hinter einem her ist. Wenn einem das zu weit geht, kann man sich vorstellen, dass man von seinen Gegnern gejagt wird – auch wenn diese am Start oder während des Rennens neben einem sind.

Visualisationsübung vor dem Wettkampf

Viele Sportler leiden vor dem Wettkampf unter Nervosität. Dies lässt sich am besten mit ruhigem Atmen in Verbindung mit Visualisationen lindern. Man soll als erstes beim Atmen an Reinheit denken. Dann versucht man jedes Mal beim Einatmen zu fühlen, dass man unendlichen Frieden in den Körper bringt. Wenn man ausatmet, stellt man sich das Gegenteil vor, in diesem Fall ist das Rastlosigkeit. Man stößt die Rastlosigkeit aus, die man in sich spürt. Wenn man diese Übung ein paar mal gemacht hat, versucht man zu fühlen, dass man Kraft vom Universum einatmet. Beim Ausatmen fühlt man, dass alle Furcht den Körper verlässt. Danach atmet man Freude ein und Traurigkeit aus.

Visualisationen für Läufer

Die Geschwindigkeit beim Laufen hängt in hohem Maße vom Verstand ab. Wenn man schneller laufen will, muss man neben dem körperlichen Training auch seine Vorstellungskraft entwickeln. Man kann sich beispielsweise vorstellen, dass man sehr schnell ist und dass man seine Geschwindigkeit genießt. Man spürt Enthusiasmus und Freude. Wenn man beim Laufen Freude spüren kann, wird man automatisch schneller. Eine andere Möglichkeit ist es, an Personen zu denken, die wirklich schnell laufen und versuchen, sich mit ihnen zu identifizieren. Eine weitere Art beim Langstreckenlauf ist es, sich mit zehn oder zwanzig Läufern zu identifizieren, die vor einem sind. Man stellt sich vor, wie diese ein- und ausatmen. Dann versucht man zu fühlen, dass man mit ihnen gleichzeitig atmet. Zusätzlich spürt man, dass man beim Einatmen ihre Energie einatmet und dass diese Läufer beim Ausatmen die eigene Müdigkeit ausatmen.

Meditationsübungen

In der Meditation wird die Wachsamkeit der Konzentration beibehalten um keine Gedanken in den Verstand eintreten zu lassen, gleichzeitig versucht man sein Bewusstsein auszudehnen. Dazu dienen die folgenden Visualisationen. Es muss betont werden, dass ein negativer Gedanke während der Meditation von der Kraft der Meditation vergrößert wird. Er muss daher sofort „abgeschnitten“ und zerstört werden. Wenn man das nicht kann, soll man versuchen zu fühlen, dass der Gedanke völlig bedeutungslos ist. Man schenkt ihm keine Aufmerksamkeit. Eine weitere Möglichkeit wäre es, im Gegenzug positive Gedanken hervorzubringen. Jedenfalls sollte man keine Angst vor falschen Gedanken haben.

1) Ozean Man versucht zu fühlen, dass in einem ein weiter Ozean ist und dass man auf den Grund des Ozeans getaucht ist, wo alles Stille ist. Es kommt darauf an, sich mit der Weite und Stille des Ozeans zu identifizieren. 2) Himmel Man hält die Augen halb geöffnet und stellt sich den weiten Himmel vor. Zuerst stellt man sich vor, dass sich der Himmel unmittelbar vor einem befindet. Dann versucht man zu fühlen, dass man selbst so weit wie der Himmel ist oder dass man selbst der Himmel ist. Man kann die Übung weiterführen, indem man nach ein paar Minuten die Augen schließt und versucht, den Himmel in seinem Herzzentrum in der Mitte der Brust zu sehen und zu fühlen.

3) Blume Man stellt sich in seinem Herzzentrum eine Blume (z.B. Rose) vor, die noch die Form einer Knospe hat. Nach zwei bis drei Minuten stellt man sich vor, dass sich die Blume Blütenblatt um Blütenblatt öffnet. Schließlich versucht man zu fühlen, dass die Schönheit und der Duft der Blume den ganzen Körper durchdrungen haben.

4)Natur Um eine bestimmte Qualität von der Natur zu haben, sollte man sich dort hinbegeben. Man kann zum Beispiel auf die aufgehende Sonne meditieren, man kann sich zu einem Fluss setzen, auf einen Berg gehen oder einfach nur den Himmel betrachten. In jedem Fall kommt es darauf an, in den Manifestationen der Natur die inneren Qualitäten zu erspüren und mit diesen eins zu werden.

Die Verbindung von Sport und Meditation

Warum Sport? Warum Meditation? Jeder Mensch strebt nach Wohlbefinden und letztlich nach Erfüllung. Es gibt Dinge, die diesem Ziel förderlich sind und solche, die eher das Gegenteil bewirken. Auf die Bedürfnisse und die Fähigkeiten der Person angemessenes sportliches Training in Verbindung mit einer inneren Disziplin wie z.B. Meditation stellen sehr effektive Mittel dar, um unsere Gesundheit (physisch und psychisch) zu erhalten bzw. zu verbessern. Ein disziplinierter Mensch wird zusätzlich auf eine ausgewogene Ernährung achten. Dem „Fitness-Sucher“ wird man daher drei Methoden anbieten können:

  1. Angemessene sportliche Betätigung
  2. Eine Form des geistigen Entspannungstrainings
  3. Natürliche Ernährung

Warum werden in allen Ländern erfolgreiche Sportler bewundert und oftmals auch staatlich geehrt? Ein Sportler scheint etwas erreicht zu haben, das wir auch gerne hätten. Es ist nicht nur unser geheimer Wunsch nach Ansehen, sondern es ist auch unser Wunsch nach Selbstüberwindung, welchen wir im erfolgreichen Sportler als erfüllt sehen. Dieser Mensch hat durch eiserne Disziplin einen Sieg über die eigene Lethargie und über Selbstzweifel errungen. „Auch du kannst es schaffen!“ Ruft er uns zu. Disziplin, Zielstrebigkeit, Geduld und positives Denken haben den Erfolg möglich gemacht. Sowohl im Sport als auch in der Meditation werden genau diese „Siegerqualitäten“ trainiert. Die Gemeinsamkeit von Sport und Meditation liegt also in der charakterbildenden Wirkung.

Sport trainiert den Körper und Meditation trainiert den Geist. Beide Mittel sind ideal für Menschen, die überzeugt sind, dass sich Physis und Psyche parallel entwickeln sollten. „Mens sana in corpore sano“ – daran hat sich nichts geändert. Gleichzeitig hilft auch das eine dem anderen. Sport hilft, besser meditieren zu können indem es den Körper gesund hält und Meditation verbessert die sportliche Leistung indem es den Verstand ruhig hält und das Selbstvertrauen stärkt.

Interview mit Kuranga Peel

Am 31. Juli 2004 beendete Kuranga Peel aus Neusiedl bei Pernitz in Niederösterreich als Zweitplazierter in New York einen 3100-Meilen-Lauf, organisiert vom Sri Chinmoy Marathon Team.
Das entspricht ungefähr 5000 km oder der Distanz von der Ost- zur Westküste in den Vereinigten Staaten. Zwölf Läufer aus den USA, der Ukraine, Australien, Wales, Finnland, Deutschland und Österreich hatten sich an die Startlinie gewagt und sich der Herausforderung gestellt. Für 51 Tage wurde eine knapp 850 Meter lange Runde im Herzen von New York ihr Zuhause. Um die Distanz in der vorgegebenen Zeit zu schaffen, mussten die Läufer ein Minimum von 60,8 Meilen (97 km) pro Tag absolvieren.

Ich gebe hier einen Teil eines Interviews wieder, das S. Puntigam (ebenfalls ein österr. Ultraläufer) am 26.02.05 mit Kuranga Peel geführt hat. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Sri Chinmoy Marathon Teams Österreich.

SP: Wie bist du zum Ultralauf gekommen?

Peel: Nach einem Marathon habe ich einmal auf meinem Bett gelegen und mir gedacht, dass ich eigentlich auch weiter laufen könnte. Ich habe mir eine Laufzeitschrift zur Hand genommen und habe geblättert. Da ist mir ein 100-km-Lauf in Deutschlandsberg (Steiermark) ins Auge gesprungen, der drei Wochen später stattfand. Den habe ich ausprobiert, und ich habe gemerkt, dass ich eigentlich noch viel länger laufen könnte. Zufällig habe ich dann von einem 1000-km-Lauf in Australien gehört und war total fasziniert davon. Den Wunsch, 1000 km zu laufen, habe ich mir 2002 in New York beim Sri Chinmoy 700-Meilen-Lauf (ca. 1000 km) in New York erfüllt. Davor bin ich aber noch einige 100-km-Rennen und 24-Stunden-Läufe gelaufen.

SP: Wie schaut dein Trainingspensum aus?

Peel: Mein erster Marathon war 1987, und ich bin damals nur einen Wettkampf im Jahr gelaufen. Mittlerweile trainiere ich an die 170 km pro Woche. Wenn ich wirklich eine Erholungswoche brauche, laufe ich 80 km, sonst so zwischen 100 und 150 km. Ich möchte jetzt gerne mein Pensum auf 200 km die Woche steigern, damit ich im Ultrabereich noch schneller werden kann.

SP: Kannst du uns jetzt etwas über den 3100-Meilen-Lauf erzählen? Es ist einfach unglaublich, dass man so eine Distanz laufen kann, und das noch bei einem Schnitt von fast 100 km pro Tag.

Peel: Ich hatte es mir eigentlich ganz anderes vorgestellt. Mein Verstand hat nach ein paar Tagen zu revoltieren begonnen. Ich hatte mir alles so schön ausgemalt, und dann ist alles anders gekommen, als ich mir es gedacht habe. Zwölf Tage habe ich gebraucht, bis ich meine widerspenstigen Gedanken habe loslassen können, und dann habe ich erst wirklich Freude gehabt. Je länger die Distanz ist, umso wichtiger wird der Verstand. Jeder Tag ist wie ein kleiner Sieg.

SP: Du meditierst auch, hat dir das bei deinem Lauf geholfen?

Peel: Absolut! Bei diesen Distanzen und den 18 Stunden, die man täglich unterwegs ist, ist es absolut wichtig, dass man positiv ausgerichtet ist und bleibt, sonst ist jede Runde eine absolute Qual. Wenn man negative Gedanken hat, kann eine 800-Meter-Runde zu einem Marathon werden und eine Minute erscheint einem wie eine Ewigkeit. Und wenn man happy ist, dann spürt man die Runde gar nicht. Der Unterschied liegt im Verstand.

Es ist auch unglaublich wichtig, dass man den Tag in Sequenzen teilt. Ich habe mir den Tag in vier Teile geteilt: Frühstück, Mittagessen, Pause und Abendessen. So kann man den Tag in kleinere Einheiten aufteilen und es schaut nicht so viel auf einmal aus.

SP: Der Lauf erstreckt sich über zwei Monate. Hast du körperliche Beschwerden und Schmerzen während des Laufes bekommen?

Peel: Es hat schon einmal da und dort gezwickt, aber ich muss sagen, dass ich eigentlich verschont geblieben bin. Ich habe während des ganzen Laufes nur drei kleine Blasen bekommen.

Was ich aber mache ist, dass ich schon im Training versuche, auf die Signale meines Körpers zu hören und zu spüren, was der Körper braucht. So sagt mir der Körper, wenn er ein isotonisches Getränk braucht oder wenn er Obst will; und das bekommt er auch. Früher habe ich beim Essen oft gespürt, dass etwas nicht gut für mich ist, und ich habe es dann trotzdem gegessen. So etwas mache ich nicht mehr. Ich esse auch vegetarisch, weil ich das Gefühl habe, dass es besser für mich ist und leichter verträglich ist.

SP: Viele Leute denken, dass man heutzutage gar keine tollen Leistungen mehr ohne Doping vollbringen kann. Wie siehst du das?

Peel: In meinem Leistungsbereich ist es auf alle Fälle kein Thema, und ich muss auch nicht davon leben. Aber die Leute die es tun, schaden sich selbst und sind sich über die Spätfolgen oft nicht im klaren. Ich weiß gar nicht welche Freude die Sportler dann wirklich haben können, wenn sie „verboten“ gewinnen.

Beim Ultralauf kann Doping nur einen ganz kleinen Aspekt abdecken, und der Rest ist im Kopf. Je länger die Distanzen werden, umso wichtiger ist es, dass die Gedanken ruhig sind. In diesem Bereich hilft mir die Meditation. Es ist eine sehr gute Ergänzung, um innerlich zur Ruhe zu kommen.

SP: Welchen Ratschlag würdest du einem Läufer geben, der sich auf einen Mehrtagelauf vorbereiten möchte?

Peel: Ohne Training geht nichts. Das ist einmal der erste Schritt. Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gestellt. Es ist wichtig, sich gut vorzubereiten, denn nur so kann man seinen Körper kennen lernen. Empfehlenswert ist es, 100-km- , 24 Stunden- und 48-Stunden-Läufe zu machen, so dass man ein Gefühl für lange Distanzen bekommt. Und der Rest liegt im mentalen Bereich. Wir haben wirklich noch ungeahnte Reserven im geistigen Bereich.

SP: Danke für das Interview.

IV Zusammenfassung

Ob es das Ziel ist, Höchstleistungen zu erbringen oder einfach nur fit zu bleiben, in jedem Fall werden sowohl Leistungssportler als auch Hobbysportler Konzentration und Meditation als Ergänzung schätzen und davon profitieren. Das kann so weit gehen, dass Fitness-Training zum „Lebens-Training“ wird, indem es zum Instrument für eine ganzheitliche Schulung innerer und äußerer Fähigkeiten wird.

V Schlusswort

Die Kombination von Sport und Meditation weist einen Weg, der Überraschungen für jeden aktiven Menschen bereithält und dessen Ziel ungeahnte Möglichkeiten verbirgt.

LITERATURVERZEICHNIS

Bodian, S.: Meditation für Dummies. Wiley-VCH Verlag. Weinheim 2000

Chinmoy, S.: Meditation. Menschliche Vervollkomnung in göttlicher Erfüllung. 10.Auflage. The Golden Shore Verlagsges.mbH. Nürnberg 2001.

Chinmoy, S.: Meditationstechniken. 2.Auflage. The Golden Shore Verlagsges.mbH. Nürnberg 1998.

Chinmoy, S.: Sport und Meditation. Sri Chinmoy Verlag. Zürich 1990.

Coue, E.: Autosuggestion. Die Kraft der Selbstbeeinflussung durch positives Denken. Oesch/Jopp Verlag. Zürich 2004.

Eberspächer, H.: Mentales Training – Ein Handbuch für Trainer und Sportler. Copress. München 2001.

Fasching, W.: Erfolgsfaktor Kopf. Verlag Egoth. Wien 2005.

Mannschatz, M.: Meditation. Mehr Klarheit und innere Ruhe. Verlag Gräfe und Unzer. München 2005

Yesudian, S., Haich, E.: Sport und Yoga. Drei Eichen Verlag. 2001.

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