Innere und äußere Gesundheit
INNERE UND ÄUSSERE GESUNDHEIT
Da in unserer Zeit der Fitness-Gedanke seinen Siegeszug in unser Bewusstsein feiert und man dessen Manifestationen auf Schritt und Tritt begegnet, sehe ich mich veranlasst, Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, meinen bescheidenen Beitrag anzubieten.
Fitness, Wellness, Entspannung, Body-Work – das alles sind zweifelsfrei positive Ziele, wenn wir danach streben, gesünder zu werden und unser Leben besser zu gestalten.
Jedoch, und das ist meine zentrale Frage, wie steht es um unsere geistige Gesundheit? Vollständige Gesundheit bedeutet für mich geistige Ausgeglichenheit und körperliche Fitness. Ich hoffe, das berühmte geflügelte Wort des römischen Dichters Juvenal “mens sana in corpore sano” verleitet uns nicht zu der irrigen Anahme, dass ein gesunder Verstand automatisch einem gesunden Körper folge.
Tatsache ist vielmehr, dass man beides “trainieren” muss, um sein Wesen integral zu entwickeln. Obwohl ich der Meinung bin, dass körperliches Training gewisse positive psychische und psychosoziale Effekte haben kann (und soll), ist es doch so, dass wir uns die innere Gesundheit separat anerziehen müssen. (Umgekehrt dürfen auch geistig strebende Menschen ihr körperliche Fitness nicht vernachlässigen.)
Was ist nun “geistige Gesundheit”? Ich möchte sie als Ausgeglichenheit im Denken und in den Gefühlen bezeichnen. Charaktereigenschaften wie Gleichmut, Logik, Fleiß, Mitgefühl etc. wären beispielsweise Zeichen von innerer Ausgeglichenheit. Aggressivität, Ängste, Zweifel, Eifersucht etc. würde ich als geistig “unvollkommene Eigenschaften” einstufen.
Leider, und diese schockierende Erkenntnis beruht auf Selbst- und Fremdbeobachtung, sind wir uns dieser inneren Schwächen meist nicht bewusst! Das bedeutet weiterhin, dass wir keinen Handlungsbedarf sehen, uns zu ändern. Noch schwieriger wird es, wenn es in einer Gesellschaft nicht üblich ist, den Wunsch zu haben, sich innerlich zu verändern. Ironisch betrachtet könnte man sagen: was die Krankheit aller ist, wird nicht als Krankheit erkannt… Denn, wir ahnen es: sich selbst zu verbessern ist schwierig und verlangt Demut.
Trotzdem findet eine innere Entwicklung der Menschheit statt, wenn auch langsam. Es gibt immer eine kleine Anzahl von Menschen, welche die eine oder andere Art “geistigen Fitnesstrainings”, z.B. Meditation betreibt, um sich selbst besser kennenzulernen und folglich zu verändern. Von solcherart “Strebenden” können auch andere Menschen inspiriert werden an sich selbst zu arbeiten.
Meiner Meinung nach ergibt sich der Fortschritt einer Zivilisation daraus, dass sich der Mensch zuerst innerlich zum Positiven verändert und dann erst die äußeren Systeme perfektioniert.
Mögen alle Wesen glücklich sein!

