Kampfkunst und Meditation
Das eigentliche Ziel der asiatischen Kampfkünste ist nicht Gewalt, sondern das Gegenteil, nämlich Friedfertigkeit. Das Training sollte dazu benützt werden, Qualitäten wie Höflichkeit, Respekt, Disziplin, Harmonie und innere Gelassenheit zu entwickeln. Neben der körperlichen Ausbildung wird also auch eine innere Schulung von positiven Charaktereigenschaften angestrebt. Man hat dies das “Zen-Element” in den Kampfkünsten genannt. Zen bedeutet soviel wie “Versenkung” und ist eine spirituelle Praxis, die sich in China aus dem Buddhismus entwickelt hat. Der Legende nach soll der indische Mönch Bodhidharma (28. Nachfolger Buddhas) diese Meditationspraxis um 512 n. Chr. nach China gebracht haben, und zwar ins berühmte Shaolin-Kloster. Diese Art der Versenkung wurde als “Chan-Buddhismus” bekannt. Der chinesische Name “Chan” stammt vom indischen “dhyana” (Sanskrit für “Versenkung”) ab. Als der Chan-Buddhismus im 12.Jh. nach Japan gelangte, enwickelte er sich zum “Zen-Buddhismus” wie wir ihn heute kennen. Bodhidharma entwickelte außerdem von Yoga ausgehende körperliche Ertüchtigungsübungen, um die Mönche zu befähigen, die langen Meditationssitzungen durchzuhalten. Daraus soll sich schließlich die Shaolin-Kampfkunst (Kung-Fu) entwickelt haben. Die Kombination von Meditation und Kampfkunst war also das Mittel um die Mönche zu spiritueller Erkenntnis zu führen. Auf breiter Basis entfaltete sich die Betonung des geistigen Wachstums in den Kampfkünsten im 16.Jh., als kein Bedarf mehr an kriegerischem Können bestand. Daher wurde wurde Kenjutsu (die Kunst des Schwertkampfs) umgewandelt in Kendo (der Weg des Schwerts). “Do” heißt “der Weg”, gemeint ist der Weg zur Erleuchtung. Auch andere Kampfkünste nahmen diese Endung in ihre Namen auf. (Judo, Karate-Do, Tae-Kwon-Do, Hap-Ki-Do etc.) Für den Praktizierenden von heute bedeutet das, dass nicht das Besiegen des Gegners im Vordergrund steht, sondern der “Sieg über sich selbst”.
“Die Wahrheit ist nicht in Büchern zu finden, das Gesetz ist nicht in Zeichen und Worten vererbt. Ans Herz wende dich, nach innen, um, wenn du dich selbst erkannt hast, Buddha zu werden.” (Bodhidharma zugeschrieben)
“Die beste Kampftechnik ist es, den Kampf zu vermeiden.” (Ueshiba Morihei, Gründer der Kampfkunst Aiki-Do)

