Mit Gartenarbeit zurück ins Leben: Die heilsamen Naturkräfte
In der Natur erlebt der Mensch eine Dimension der Welt, an die er sich seit Beginn seiner Evolution angepasst hat. Hier finden Körper und Geist Entspannung. Der spirituelle Lehrer Sri Chinmoy spricht in diesem Zusammenhang von den wohltuenden Kräften der Mutter Natur. Und tatsächlich wird dieser nährende und heilende weibliche Aspekt der Welt von vielen Völkern verehrt und ist ein fester Bestandteil ihres Lebens. Bereits vor 250 Jahren kamen deshalb fortschrittliche Ärzte auf die Idee, vor allem psychisch Kranke durch die aktive gärtnerische Arbeit zu therapieren. Jedoch gerieten diese Ideen über die Jahre hinweg zunehmend in Vergessenheit und wurden erst in der 1980er Jahren wieder zum Leben erweckt.
Die Garten-Therapie: Gesundheit durch Gartenarbeit.
Was sich im ersten Moment sehr ungewöhnlich anhören mag, wird heute zunehmend für die neurologische Rehabilitation genutzt: Die so genannte "Garten-Therapie". So ergab eine Studie mit 70 Schlaganfallpatienten, dass Gartenarbeit sie mit höchster Lebenszufriedenheit erfüllt. Die Patienten wurden diesbezüglich über sechs Monate hinweg betreut, um heraus zu finden durch welche Tätigkeiten sie wieder am leichtesten ins normale Leben zurück finden konnten. Dabei standen Aktivitäten wie Kochen, soziale Ereignisse mit Mitmenschen, sportliche Anstrengungen wie Spazieren gehen oder auch berufliche Anforderungen auf dem Programm. Erstaunlich war deshalb das Ergebnis der abschließenden Befragung, denn nur der Gartenarbeit räumten die Probanden eine Bedeutung hinsichtlich ihrer eigenen Lebenszufriedenheit bei.
Gartenarbeit: Hilfe bei vielen Krankheiten.
Doch nicht nur nach einem Schlaganfall kann die Natur wichtige gesundheitliche Impulse geben. Auch nach einem schweren Unfall, nach einem Herzinfarkt, bei Stoffwechselstörungen, bei Depressionen und sogar bei der Drogenentwöhnung und vielen anderen schweren Krankheiten, unterstützt die Nähe zur Natur den Heilungsprozess. Auch bei alten Menschen, die unter Alzheimer, Demenz oder Parkinson leiden, verwendet die Gerontopsychiatrie die Gartenarbeit als Therapie sehr erfolgreich. "Natur als Therapeut wirkt nicht anders als eine konventionelle Physiotherapie", sagt ein Fachmann, "nur das dass es den Patienten nicht auffällt und Spaß macht." Anstatt eines Gummiballs wird ein Tannenzapfen oder Stein geknetet und anstelle eines elektrischen Reizes rückt das angenehme flauschige Fell eines lebendigen Hasen in den Mittelpunkt.
Körperliche Reize durch Gartenarbeit.
Jäten, Pflanzen, Gießen, Ernten, ebenso wie das Bücken, Aufrichten und das Bewegen auf unebenem Gelände trainieren den Gleichgewichtssinn, die Koordination und die Körperbeherrschung. Und dies oft deutlich stärker, als die von vielen Patienten oft ungeliebte Krankengymnastik. Darüber hinaus zieht das Planen und Betreuen der Pflanzungen eine gewisse geistige Regsamkeit nach sich, wodurch gerade psychisch Kranke die an Demenz oder Alzheimer leiden wieder aktiver in das Leben eingebunden werden können. Das Gärtnern stellt für sie einen besonders guten Bezug zum früheren Alltag her. Viele Pfleger sagen deshalb, jene Patienten seien bei der Gartenarbeit wie "ausgewechselt".
Mit Gartenarbeit zurück zur Natur.
"In seiner Evolution", sagt ein Leiter für Gartenarbeit, "ist der Mensch in jeder Feinheit auf ein Leben in der Natur abgestimmt, für ein Indoor-Leben ist er nicht konstruiert. Die Zeit, dass der Mensch sich vorwiegend in geschlossenen Räumen aufhält, ist evolutionär gesehen zu kurz." Die Natur ist also wirklich, nach wie vor, die beste Medizin!
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Kai Keller
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2007-10-10 03:13 PM