Wo der Buddha wohnt - die Tempelanlagen von Borobudur

Borobudur: 70 Kilometer entfernt von Yogyakarta.

Im südlichen Zipfel der größten Insel Indonesiens, liegt die Stadt Yogyakarta. Der Name ihres Eilandes ist Java. Indonesien ist das Land der tausend Inseln, die sich wie eine Perlenkette über eine gewaltige Ausdehnung erstrecken und Java ist sein mächtigster Diamant. Yogyakarta ist eine alte Kaiserstadt zu Füßen des noch tätigen Vulkans Merapi. Hin und wieder kann man beobachten, wie sein gewaltiger Schlot einige Rauchwolken in die hitzeflimmernde Sonnenlandschaft sendet. Etwa 70 Kilometer entfernt davon befindet sich Borobudur, die größte buddhistische Tempelanlage außerhalb eines buddhistischen Landes, die in ihrer Schönheit einen bleibenden Eindruck auf jeden Besucher hinterlässt.

Borobudur und nähere Umgebung.

Die Busfahrt von Yogyakarta dauert etwa 90 Minuten. Hierbei geht die Strecke entlang einer vegetativ üppigen Landschaft, die in ihrem saftigen Grün ein äußerst lebendiges Bild abgibt. Je näher Borobudur rückt, desto tiefer und dichter scheint die grüne Vegetation zu werden. Bald ist es dann soweit und der Bus kommt auf einem größeren Parkplatz zum Stehen. Viele Verkaufsstände mit ihren eifrig Handel Treibenden prägen die Umgebung. In der Entfernung ist bereits die weit ausufernde Umzäunung der Anlage zu sehen, der Tempel selbst jedoch noch nicht. Die Gegend ist umschlossen von kleinen Hügelketten, die dicht bewachsen einen urwaldähnlichen Charakter bilden. Plötzlich erscheinen die ersten Umrisse des buddhistischen Bauwerkes in einiger Entfernung. Eine spürbare Ruhe umgibt das Monument. Leisen und bedächtigen Schrittes wird nun die Exkursion fortgesetzt.

Der Eingang zum Tempel von Borobudur.

Eine steile Treppe führt zum Eingangsportal hinauf. Da ist es auf einmal, Borobudur, in seiner ganzen Schönheit. Mächtige Stufen weisen von allen Richtungen den Weg hinauf zum Allerheiligsten. Stumm geht der Blick die gewaltigen Steinformationen entlang. Borobudur scheint vollkommen in die Natur eingebettet zu sein. Ein Jahrtausende altes Bauwerk, welches majestätisch den Äonen getrotzt hat. Die Augen verharren lange an den rötlich sandenen Mauern, wie sie von der Sonne angestrahlt werden. Langsam und andächtig geht die Entdeckungsreise die erste Treppe empor.

Der Aufstieg ins Allerheiligste von Borobudur.

In seiner pyramidenartigen Form ist Borobudur in mehrere kanalartige Umhüllungen gegliedert. Jede Umhüllung symbolisiert einen Evolutionsabschnitt im Leben des Menschen. Angefangen vom Leben des Genusses und der Leidenschaft im untersten Bereich, geht die Reise, Schritt für Schritt, die spirituelle Leiter hinauf, bis sie schließlich im Formlosen mündet. Dieser Entwicklungsprozess wird umrahmt von hunderten meditierenden Buddhas, die die Entsagung von weltlichem Verlangen repräsentieren. Viele Steinmetzarbeiten sind dabei in die Felsen gemeiselt worden, die stumm diese innere Entdeckungsreise veranschaulichen.

Borobudur: Wo der Buddha wohnt.

In sich versenkt blicken die unzähligen Buddhas in die Weite des Horizontes, der von saftigem Grün durchdrungen ist. Manche von ihnen sind dabei umhüllt von so genannten "Stupas", eine trichterförmige Steinummauerung. Viele sitzen jedoch auch unbedeckt in ihrer yogischen Lotushaltung, scheinbar von Wind, Sonne und Wetter unberührt. Der Meditationslehrer und Yogi Sri Chinmoy sagte einmal, dass die Gegenwart des Buddha hier, in Borobudur, sehr ausgeprägt spürbar sei. Und tatsächlich blicken die ewigen Steinfiguren auf eine so stumme, und trotzdem lebendige Art und Weise, dass dies fast körperlich spürbar wird. Auf der obersten Stufe angekommen verschwinden alle Formen und Figuren. Hier herrscht nur noch das Unpersönliche und Transzendente vor. In der Mitte dieses größeren Platzes steht eine gewaltige Stupa, die majestätisch in sich selbst ruht. Die versiegenden Gedanken verneigen sich stumm vor ihr, denn hier ist kein Raum mehr für sie - hier, wo der Buddha wohnt.